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Schade, wären Sie nur ein wenig früher gekommen . . .

Sie hätten am Nebentisch unseren “alten” Kaiser Wilhelm persönlich erleben können, tief im Gespräch versunken mit dem Zaren Ferdinand von Bulgarien. Oder noch etwas früher, da wäre Ihnen vielleicht die Gräfin Hohenembs auf dem Weg zu ihrer Kutsche begegnet. Das war natürlich gar nicht die Gräfin, für die sie sich ausgab. Das war niemand anderes als die Kaiserin Elisabeth von Östereich, von allen Sissi genannt, die hier oben Ruhe und Erholung suchte - vielleicht wie Sie heute.

Geschichte und Geschichten des Forsthauses Winterstein - sie wären es wert, endlich aufgezeichnet zu werden!

1754 von der Burggrafschaft zu Friedberg als Jägerhaus erbaut, steht es immerhin über 250 Jahre an seinem Platz, in seiner Substanz ganz unverändert. Elektrisches Licht gibt es erst seit 1989, vorher saß man abends bei gemütlichem und schummerigem Gaslicht. Das Wasser stammt heute noch aus eigenem Bergquell. Auch seine Gastlichkeit hat Tradition. 1881 erhielt die Frau des damaligen Försters Frank vom Großherzog die Konzession für einen bescheidenen Wirtschaftsbetrieb - seitdem ist das Haus Ziel so manches hungrigen und durstigen Wanderers oder ruhebedürftigen Ausflüglers geblieben.

1963 erwarben Erna und Walter Langsdorf das Forsthaus Winterstein vom Hessischen Staat. Anschließend wurde erst einmal tüchtig renoviert, bis dann 1965 die Waldgaststätte neu eröffnet werden konnte. Zur Eröffnung etablierte sich gleich der Ockstädter Stammtisch, der auch im Jahre 2008 noch besteht, aber leider nicht mehr vollzählig. Über ein viertel Jahrhundert haben die Wirtsleute nun die Gäste in einer einzigartigen, immer gleichbleibenden Atmosphäre verwöhnt und möchten dies mit der Hilfe ihrer Tochter Rosemarie Keller auch weiterhin für alle Wanderer und Ausflügler tun.

Denn eins ist sicher, am besten schmecken die einfachen, aber guten Schätze aus Küche und Keller, wenn man sie sich gewissermaßen verdient hat, mit einem herzhaften Fußmarsch durch die Wälder und Felder des Wintersteins. Nur 15 Minuten von hier finden Sie die Reste der Kaisergrube, eines alten Silberbergwerks. Edelmetall gibt es dort nicht mehr zu holen, aber guten Waldhonig! Und von Dort sind es nur wenige Schritte bis zu einem restaurierten römischen Wachturm am früheren Limes, den Sie sogar besteigen können.

An klaren Tagen sollten Sie den hölzernen Aussichtsturm auf dem Gipfel des Wintersteins besuchen. Sie werden belohnt mit einem herrlichen Ausblick. Die ganze Wetterau liegt wie ein aufgeschlagenes Buch unter Ihnen! Sie werden den Aufstieg (ca. 20 Minuten) nicht bereuen.

Apropos . . . die Geschichten vom Winterstein: wollen Sie sie nicht aufschreiben? kommen Sie doch mal im Herbst oder im Winter, wenn es fast wieder so einsam ist, wie früher. Bleiben Sie, bis es dunkel wird, dann sind sie an der Quelle und unter sich. Ein paar Einheimische, Wirt und Wirtin, Hund und Katz - und das alte Forsthaus. So manche Geschichte können Sie dann zu hören bekommen, die es wert wäre, aufgeschrieben zu werden. Wußten Sie, daß der Wirt, der heutige Besitzer des Forsthauses, einmal allein und (fast) unbewaffnet die US Army besiegt hat, die heute zum Glück ihre Kriegsspiele hier oben nicht mehr abhält! Solche Geschichten erfährt man natürlich nur, wenn man Geduld zum Zuhören hat. Vielleicht auch, wenn man nachts allein durch den finsteren Forst den Heimweg sucht. Man braucht sie dann eigentlich nur noch aufzuschreiben . . .

 

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